Grundlagen der Installation von Linux
von Stephan Sauer
Der Vortrag richtet sich an alle Interessierten, die erstmals Linux auf
ihrem Computer installieren möchten. Zunächst werden die notwendigen
Systemvoraussetzungen beschrieben, ehe ausführlich auf das Thema
Festplattenpartitionierung eingegangen wird. Weiterhin werden die zum
Betrieb von Linux notwendigen Programmpakete vorgestellt und schließlich
die Konfiguration sowie die Einrichtung des Bootmanagers LILO erläutert.
Inhalt
1. Einleitung
2. Systemvoraussetzungen
3. Vorbereitung der Festplatte
3.1 Was ist eine Partition?
3.2 Linux und andere Betriebssysteme
4. Installation der Pakete
4.1 Das Linux-Grundsystem
4.2 Die Programmpakete
4.3 Die Konfigurationsphase
5. Abschließendes
Dieses Skriptum soll all denjenigen, die an einer erstmaligen
Installation von Linux interessiert sind, helfen, sich in den
Grundlagen zurechtzufinden. Mit der Leistungsfähigkeit der heute
verfügbaren Distributionen gehören die Geschichten von der
abenteuerlichen Installation und Konfiguration dieses Betriebssystems
nämlich der Vergangenheit an. Da viele sich anfangs scheuen, den
ganzen Sprung zu Linux zu machen, und das bisher verwendete Betriebssystem
von der Festplatte zu löschen, sei es, weil viele teure Programme
unter dem alten OS laufen, oder sei es, weil man nicht weiß, ob
einem das neue gefallen wird, und man sich den Rückzug freihalten
möchte, wird insbesondere auf die Parallelinstallation von Linux
mit Betriebssystemen von Microsoft eingegangen. Der Vortrag richtet sich
vor allem an den Heimanwender, der eine Alternative zu MS-Windows sucht
und eine vergleichbare Funktionalität wünscht. Der vorliegende
Beitrag möchte nicht die Installation einer bestimmten Distribution
erklären, sondern allgemeine Hinweise geben, mit denen es jedem
möglich sein sollte, jede beliebige Distribution zu installieren.
Zuerst stellt sich die Frage, welche Hardware braucht man, um
Linux laufen lassen zu können, welche Hardware wird über die
Mindestanforderungen hinaus unterstützt? Theoretisch genügt
ein Intel 386er mit 8 MB Hauptspeicher und 80 MB Festplattenspeicher
bereits, um mit Linux arbeiten zu können. Da aber im Folgenden
davon ausgegangen wird, dass das Linux-System als vollwertiger
Rechner mit graphischer Benutzeroberfläche und Office-Paket
sowie Internetanschluss genutzt werden soll, müssen die
Hardwareressourcen doch etwas üppiger ausfallen. Zu empfehlen ist
ein Pentiumprozessor mit dreistelliger MHz-Zahl, der mit mindestens 32 MB
Hauptspeicher ausgestattet sein sollte. Selbstverständlich werden
auch die Prozessoren von AMD und Cyrix unterstützt. Nebenbei
soll hier ebenso erwähnt werden, dass es Linux-Versionen
für RISC- und Alpha-Prozessoren gibt. Der Installation von
Linux auf einem Power-PC ist auf dem LinuxTag ein eigener Vortrag
gewidmet. Festplattenspeicher verlangt Linux nicht allzu viel:
Hier lässt sich bereits mit 700 MB ein recht ordentlich
ausgestattetes System betreiben. Zu empfehlen wäre unter heutigen
Bedingungen mindestens 1 GB. Im Einzelnen wird für die wichtigsten
Programmpakete etwa folgende Plattenkapazität benötigt:
- KDE 50 MB
- Netscape Communicator 35 MB
- Applixware 400 MB
- StarOffice 150 MB
- Word Perfect 8 90 MB
- GIMP 30 MB
Man sollte die Partition (was das ist, wird später erklärt),
in der man Linux anlegen möchte, lieber etwas größer
ausgestalten, um zu einem späteren Zeitpunkt noch Reserven zu haben,
und nicht eine komplette Neuinstallation fahren zu müssen. Es
werden sowohl alle IDE-Festplatten wie auch SCSI-Festplatten
unterstützt. Bei manchen SCSI-Adaptern kommt es aber vereinzelt zu
Problemen. In diesen Fällen sollte man sich den jeweils aktuellen
Treiber besorgen. Bei den CD-ROM-Laufwerken sollte es zu keinen Problemen
kommen. Manche VGA-Karten lassen sich bislang leider nur in Standard-Modi
betreiben, die speziellen, geschwindigkeitssteigernden Funktionen der
Karten bleiben ungenutzt. Es wird aber fieberhaft daran gearbeitet,
entsprechende Treiber zu programmieren, so dass diese bald verfügbar
sein dürften. Recht gut werden mittlerweile die Vodoo-Karten
unterstützt. Auf der Homepage der SuSE
GmbH sowie auf der Website der Deutschen
Linux Distribution (DLD) findet man eine Aufstellung aller
Hardware-Komponenten, die unterstützt bzw. nicht unterstützt
werden. So bereiten heute weder TV-Tuner-Karten noch SCSI-Scanner Probleme
für Linux. Leider fehlen bislang aber Treiber für Scanner, die
am Parallelport angeschlossen sind. PCMCIA-Karten (auch PC-Cards genannt)
werden zwar nicht direkt von Linux angesprochen, es gibt aber hierfür
einen Treiber, der den meisten Distributionen beiliegt. Leute, die
Linux auf einem Notebook betreiben möchten, finden Hilfe unter Linux on
Laptops. Hier wird die Installation von Linux auf vielen einzelnen
Modellen erklärt. Beim Kauf einer Linux-Distribution sollte man
also schon sehr genau darauf achten, dass die Treiber, die für die
eigene Hardware relevant sind, mitgeliefert werden. Zwar kann man sich
alles später auch noch aus dem Internet besorgen, dies bringt aber
nur unnötige Mühen und Online-Kosten mit sich. Außerdem
macht es die Installation nicht gerade leichter, da viele Treiber
nur im Source-Code geliefert werden und vor der Installation noch
compiliert werden müssen. Das gilt natürlich auch für
die verschiedenen Anwendungsprogramme. Die großen Distributionen
kommen bereits mit Office-Paketen, graphischer Benutzeroberfläche,
Webbrowser, etc. daher. Gerade bei den Office-Paketen würde ein
Download aus dem Internet auf Grund der Größe schnell die
Kosten in die Höhe treiben.
Hier gilt es verschiedene Fälle zu unterschieden:
- Linux wird auf einer leeren Festplatte installiert
- Linux wird auf einer leeren Festplatte zusammen mit einem anderen
Betriebssystem installiert
- Linux wird auf einer Festplatte installiert, auf der sich bereits
ein anderes OS befindet
Während die ersten beiden Fälle relativ leicht zu
handhaben sind, muss man sich im dritten Fall etwas mehr Gedanken
machen. Er lässt sich aber grundsätzlich auf den zweiten
Fall zurückführen. Im Folgenden werden zunächst die
theoretischen Grundlagen für alle drei Möglichkeiten gelegt.
Eine Festplatte kann in mehrere Bereiche zerlegt werden, in sogenannte
Partitionen. Auf einer Festplatte muss immer mindestens eine
Partition definiert werden, bei den meisten PCs umfasst diese
eine Partition in der Regel den gesamten zur Verfügung stehenden
Speicherplatz. Jedes zu installierende Betriebssystem benötigt eine
Partition. Es gibt zwar auch die Möglichkeit, Linux zusammen mit
DOS/Windows in eine Partition zu installieren, von dieser Vorgehensweise
ist aber aus verschiedenen Gründen abzuraten. Beispielsweise
müsste man, um zu Linux zu gelangen, vorher immer erst
DOS/Windows booten, was zu unnötigem Zeitbedarf führt.
Die Größe der Partition muss von vornherein festgelegt
werden, eine nachträgliche Änderung ist nicht ohne weiteres
möglich. Aus Gründen der Datensicherheit sollte man ganz
darauf verzichten, die Größe einer Partition im Nachhinein
zu ändern.
Es gibt verschiedene Arten von Partitionen:
Zunächst die sogenannten primären Partitionen. Von diesen
können auf jeder Festplatte bis zu vier Stück angelegt
werden. Auf der Platte gibt es eine sogenannte Partitionstabelle, in
die die Daten der Partitionen eingetragen werden. Unter DOS/Windows
wird jede dieser Partitionen wie ein eigenes Laufwerk behandelt und
erhält folglich einen eigenen Laufwerksbuchstaben zugeordnet (C:,
D:, ...). Jede Partition, von der aus ein Betriebssystem gestartet wird,
muss eine primäre Partition sein. Primäre Partitionen
können aktiv gesetzt werden. Sowohl unter DOS/Windows als
auch unter Linux gibt es ein Programm zum Anlegen und Verwalten der
Partitionen. Es heißt in beiden Systemen fdisk. Der wesentliche
Unterschied besteht darin, dass man mit dem fdisk von DOS/Windows
nur eine primäre Partition aktiv setzen kann, mit dem "fdisk"
unter Linux hingegen lassen sich mehrere primäre Partitionen aktiv
setzen. Bereits hier erkennt man, dass DOS/Windows darauf angelegt
ist, nur ein Betriebssystem pro Rechner zuzulassen, natürlich ein
MS-Betriebssystem. Linux verhält sich gegenüber der Konkurrenz
viel fairer. DOS/Windows akzeptiert übrigens stillschweigend, wenn
mehrere primäre Partitionen aktiv gesetzt werden; es kann nur selbst
nicht mehrere Partitionen aktiv setzen. Es muss aber auf jeden Fall
eine aktive Partition geben. Dies sollte, wenn nur Linux installiert
wird, natürlich die Linux-Partition sein und, wenn Linux parallel
zu Windows installiert wird, die Windows-Partition.
Die zweite Gruppe sind die erweiterten Partitionen. In diesen kann
man wiederum Partitionen anlegen. Dies sind allerdings nur logische
Partitionen, d. h. sie besitzen selbst keinen eigenen Eintrag in
der Partitionstabelle. In aller Regel werden sie im Heimbereich aber
nicht gebraucht, denn es macht keinen Sinn seine Festplatte allzu sehr
aufzusplitten. Folgendes Beispiel soll dies deutlich machen:
Angenommen wir haben eine 4 GB-Festplatte, aufgeteilt in zwei Partitionen
von je 2 GB Größe. Auf jeder der Partitionen seien jeweils
noch 200 MB Speicher frei, insgesamt also 400 MB. Möchte man nun
ein Programmpaket von 300 MB Größe installieren, ergeben sich
größere Probleme. Würde die Festplatte nur aus einer
Partition bestehen, ergäben sich keine Probleme. Man müßte
das Programm über zwei Partitionen verteilt installieren, was von
nahezu keinem Programm unterstützt wird.
Es soll an dieser Stelle aber nicht unerwähnt bleiben, dass
es eine große Anzahl von Linux-Usern gibt, die ihr Linux-System
über mehrere Partitionen hinweg verteilen. Dafür sprechen
einige Gründe, die aber im Heimbereich von nicht allzu großer
Bedeutung sind. Gerade wenn man den Speicherbedarf von Linuxprogrammen,
die man installieren möchte, nicht genau kennt, kann man sich
leicht verkalkulieren. Die Nachteile, die dann entstehen, wiegen viel
schwerer als die Vorteile, die sich durch die Aufsplittung in mehrere
Partitionen ergeben. Meist ist dann nämlich eine Neuinstallation
erforderlich. Die Flexibilität ist also, wenn man Linux in nur eine
Partition installiert, viel höher.
Zu beachten ist, dass, wenn der Linux-Bootmanager LILO (Details
hierzu weiter unten) verwendet werden soll, eine Partition für
Linux unterhalb der 1000-Zylinder-Grenze auf der Festplatte vorhanden
sein muss. Ob es diese Grenze überhaupt gibt, oder wo sie
verläuft, hängt von der jeweiligen Festplatte ab. Viele
Festplatten, die im Heimbereich ihre Anwendung finden, haben ohnehin
weniger als 1000 Zylinder, so dass sich dieses Problem nur selten
ergeben sollte. Sollte diese Grenze zu beachten sein, würde es
Sinn machen, beispielsweise den oder die Kernel in einer eigenen kleinen
Partition unterhalb jener Grenze unterzubringen.
Als Letztes gilt es unter diesem Punkt die Linux-Swap-Partition zu
besprechen. Sie entspricht im Wesentlichen der Auslagerungsdatei unter
Windows, nur, dass unter Linux eine eigene Partition für
sie vorhanden ist, und ihre Größe somit fixiert ist. Die
Größe der Swap-Partition ist auf 128 MB begrenzt. Unter Linux
werden bis zu acht Swap-Partitionen unterstützt, sie können
auch in erweiterten Partitionen eingerichtet werden. Werden große
Programmpakete zur Ausführung aufgerufen, und der Hauptspeicher
genügt nicht, wird dieser Teil der Festplatte als "Ersatzspeicher"
verwendet. Da aber das Lesen und Schreiben in diesen wesentlich langsamer
vonstatten geht als in den "richtigen" Hauptspeicher, muss mit einem
beachtlichen Geschwindigkeitsverlust gerechnet werden. Deshalb sollte man
unter Linux mindestens 32 MB Hauptspeicher installieren. Die Firma SuSE
empfiehlt auch dann, wenn üppig Hauptspeicher zur Verfügung steht,
eine Swap-Partition anzulegen. Auf Rechnern mit 64 MB Hauptspeicher kommt
man derzeit auch ohne Swap-Partition aus, selbst wenn man große
Programmpakete laufen lässt. Im Hinblick darauf, dass
künftig wohl auch die Programmpakete unter Linux größer
werden und die nachträgliche Änderung von Partitionen erhebliche
Probleme bereitet, sollte der Empfehlung von SuSE gefolgt werden. Wenn die
Summe aus dem Hauptspeicher und der Größe der Swap-Partition
in ungefähr 100 MB beträgt, dürfte man auf der sicheren
Seite sein.
Wie unter DOS/Windows muss eine Linux-Partition nach ihrer
Einrichtung formatiert werden. Hierbei gehen alle auf der Partition
vorhandenen Daten verloren. Besondere Vorsicht sollten diejenigen
walten lassen, die Windows NT und Linux parallel auf einem Rechner
installieren. Wenn Windows NT die Partitionen auf der Festplatte
kontrolliert, erkennt es die Linux-Partitionen zwar, kann mit dem
darauf angelegten Format aber nichts anfangen. Windows NT versucht dann,
diese Partitionen zu "reparieren". Dies führt i. d. R. zu einem
kompletten Datenverlust auf der Linux-Partition.
Zum Verwalten der Partitionen werden auch kommerzielle und somit meist
teure Programme angeboten, die unter Windows laufen. Es gibt keinen Grund
ein solches zu kaufen, da auch sie keine hundertprozentige Datensicherheit
gewährleisten und teilweise noch nicht einmal Linux-Partitionen
erkennen können. Ihr Vorteil liegt lediglich in einer graphischen
Benutzerschnittstelle.
Jede Partition, die unter Linux verwendet werden soll, braucht einen
Mountpoint. Hierin unterscheidet sich Linux wesentlich von Windows. Unter
Windows bekommt jede Partition - wie oben schon erwähnt - einen
eigenen Laufwerksbuchstaben zugewiesen. Unter Linux gibt es keine
verschiedenen Laufwerke. Sie werden alle in einem Dateiverzeichnis
"gemountet". Das Hauptverzeichnis ist / (einfacher Slash, kein
Backslash). Die Unterverzeichnisse werden dann ähnlich wie bei
Windows organisiert (z.B /usr, /home, ...). Die einzelnen Partitionen
werden einfach als entsprechende Unterverzeichnisse eingehängt.
Beispiel:
# mount /dev/hda2 /usr
# mount /dev/fd0 /floppy
Wirkung: Geht man in das Verzeichnis /usr oder in eines seiner
Unterverzeichnisse, befindet man sich auf der zweiten Partition der
ersten Platte. Wechselt man in das Verzeichnis /floppy, greift man auf
das Diskettenlaufwerk zu.
Was zunächst ungewohnt aussieht, entpuppt sich als geniales
Konzept. Auf diese Weise ist es nämlich möglich, mehrere
Festplatten zu integrieren, ohne dass der Benutzer es merkt, und ohne
dass er sich merken muss, wo auf welcher Platte was gespeichert
ist. Nachteil ist natürlich auch hier wieder, dass, wenn eine
Festplatte (= ein Unterverzeichnis) voll ist, man sich überlegen
muss, wo man dann seine Programme abspeichert (/usr !).
Zusammenfassend ist festzuhalten, dass es unter Linux für
den Heimanwender i. d. R. genügt, eine Partition von einem guten Gigabyte
Größe, sowie eine (maximal) 128 MB große Swap-Partition
anzulegen.
Nun zur generellen Vorgehensweise der Parallelinstallation. Oben wurden
bereits die beiden relevanten Fälle aufgeführt: Entweder es ist
schon ein Betriebssystem auf der Festplatte vorhanden, oder MS Windows
und Linux sollen auf eine leere Festplatte aufgespielt werden.
Wenn schon ein Betriebssystem vorhanden ist, dann ist
logischerweise auch schon mindestens eine Partition auf der Festplatte
vorhanden. Entweder ist noch soviel Platz auf der Harddisk vorhanden,
dass man eine zweite und dritte (Swap-)Partition anlegen kann, oder
Windows hat sich auf einer Partition, die womöglich die gesamte
Festplatte umfasst, breit gemacht. In letzterem Fall steht man vor
größeren Problemen. Die sicherste Lösung wäre,
die Festplatte nach vorherigem Backup zu löschen, und so
die Sache auf den einfacheren Fall zurückzuführen. Die
etwas kompliziertere Lösung besteht in der Anwendung des
Programms fips. Dieses ist in der Lage, eine bestehende
DOS/Windows-Partition (keine Windows-NT-Partition!) im Nachhinein
zu verkleinern. Man sollte sich auf jedem Fall vorher genau die
README-Datei dazu durchlesen und ein Backup fahren, weil es
in einzelnen Fällen zu kompletten Datenverlusten kam. Das Programm
liegt beispielsweise der SuSE-Distribution bei, auch ist es im Internet
zu finden.
Wichtig jedenfalls ist, dass man zuerst das MS-Betriebssystem
in die erste Partition aufspielt und danach wiederum in eine eigene
Partition Linux. Wenn man Windows nicht in die erste Partition und als
Erstes aufspielt, kommt es auf Grund der automatischen Installation
des Windows-Bootprogramms zu fatalen Auswirkungen, die mitunter zur
Folge haben, dass man keinen Zugriff mehr auf das Windows-System
hat. (Der Referent hat diesbezüglich eigene leidvolle Erfahrungen
mit Windows NT gesammelt). Es sollte eine dritte, kleine Partition als
Linux-Swap-Partition vorhanden sein! Die Auswahl, welches Betriebssystem
man beim Start des Rechners hochfahren möchte, wird über den
LILO, den Linux Bootmanager, getroffen. Die Konfiguration des LILO
wird weiter unten noch ausführlich erklärt. I. d. R. liegt
der LILO jeder Distribution bei.
Im Gegensatz zu Windows werden die meisten Linux-Distributionen mit
einer Vielzahl (teilweise >800!) von Programmen ausgeliefert. Man muss
sich also nichts mehr hinzusuchen, und vor allem die Installation
kann in einem Rutsch erfolgen. Im Übrigen beherrscht vor allem
auch die SuSE-Distribution die vollständige Deinstallation von
Programmpaketen, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Es ist also
nicht so wie unter Windows, dass nach mehrmaligem Installieren
und Deinstallieren von verschiedenen Programmen soviel Schrott auf der
Festplatte lagert und das System geschwindigkeitsmäßig so
herunterzieht, dass eine komplette Neuinstallation unausweichlich
erscheint.
Sehr komfortabel geht es mittlerweile bei der Auswahl der zum
Betrieb von Linux notwendigen Programme zu. In den Distributionen
bekommt man vorgegebene Konfigurationseinstellungen zur Auswahl, in
deren Beschreibung ein Hinweis enthalten ist, für welchen Anwender
sie gedacht sind. Man wählt einfach eines dieser Profile aus und
kann sie dann nach Belieben noch ändern. Führend dürfte
wohl das Installationsprogramm yast aus der SuSE-Distribution
sein: Es warnt, wenn man versucht Programme zu löschen, die zum
Betrieb von Linux unbedingt erforderlich sind. Genauso bekommt man auch
Hinweise, wenn Programmpakete nur in Verbindung mit anderen Programmen
installiert werden können. Es wird angezeigt, welche Programme noch
installiert werden müssen, wo man ggf. Wahlmöglichkeiten
hat, und es gibt eine Automatikfunktion, damit man nicht selbst
Hand anlegen muss. Einfacher kann die Installation nicht mehr
sein. Außerdem ist sie so sicher, dass man durchaus ein
bisschen experimentieren kann, ohne Angst haben zu müssen,
das komplette Betriebssystem in die ewigen Jagdgründe der Bits und
Bytes zu befördern. Bei den großen Distributionen sollten
sich in diesem Bereich also keine Schwierigkeiten ergeben. Kniffliger
wird es hier natürlich, wenn man sich sein Linux aus dem Internet
zusammensucht. Diese Vorgehensweise ist Anfängern nicht anzuraten! Es
sei denn, man holt sich eine komplette Distribution aus dem Netz. Dies
ist aber auf Grund der zu übertragenden Datenmenge und den damit
verbundenen Kosten prohibitiv.
Besonderes Augenmerk sollte man auf die zu installierende
Kernel-Version legen. Jeder Kernel unter Linux hat eine dreiziffrige
Versionsnummer (z. B. 2.2.3 oder 2.3.2). Die erste Ziffer gibt die
Version an. Die zweite Ziffer gibt die Unterversion an. Hier muss
man unterscheiden, ob die Ziffer gerade oder ungerade ist. Die ungeraden
Ziffern geben an, dass es sich um einen sogenannten Hackerkernel
handelt. Das bedeutet, dass hier die neuesten Ideen implementiert
werden, allerdings um den Preis, dass diese Versionen sich noch
im Entwicklungsstadium befinden und somit möglicherweise Fehler
beinhalten. Erst, wenn alles hinreichend getestet wurde, fließen
diese Neuerungen in die Kernel ein, die an der zweiten Stelle der
Versionsnummer eine gerade Ziffer haben. Da regelmäßig
kleinere Veränderungen am Kernel vorgenommen werden, gibt es zur
Unterscheidung noch die dritte Ziffer. Der Heimanwender sollte aus
Gründen der Stabilität immer die ausgetesteten Versionen,
die an zweiter Stelle eine gerade Ziffer haben, verwenden.
Linux-Distributionen beinhalten verschiedene Pakete, die wiederum
die eigentlichen Programme enthalten. Sie sind thematisch geordnet und
unterscheiden sich je nach Distribution. Es ist schwer darzustellen,
welcher Anwender was installieren soll, um ein für seine
Bedürfnisse ideales System zu bekommen. Die SuSE-Distribution
hilft bei der groben Auswahl, indem man aus verschiedenen vorgegebenen
Konfigurationsprofilen eines auswählen und dieses dann nach
den persönlichen Vorlieben modifizieren kann. Wichtig erscheinen
folgende Hinweise:
- Um mit einer graphischen Oberfläche arbeiten zu können,
muss man einen sogenannten X-Server installieren. Dieser ist das
Grundsystem für die grafische Benutzeroberfläche. Darauf
wird die eigentliche Benutzerschnittstelle aufgesetzt. Im
Gegensatz zu Windows gibt es unter Linux eine Vielzahl, die sich im
Erscheinungsbild und Funktionsumfang unterscheiden. Die bekanntesten
Namen hier sind Fvwm, Fvwm2, Afterstep und KDE. KDE gilt als die
derzeit modernste Oberfläche unter allen, da sie die besten
Elemente von Windows, OS/2 und Macintosh vereinigt. Außerdem
gibt es mittlerweile jede Menge Programme, die speziell für
KDE zugeschnitten wurden. Besonders für diejenigen, die eine
ähnliche Funktionalität wie Windows wünschen, ist sie
empfehlenswert.
- Häufig ist es nötig, einen eigenen Kernel zu generieren,
der auf die vorhandene Hardware abgestimmt ist. Deshalb sollte man auch
die Kernelquellen und den gcc-Compiler installieren. Die
Vorgehensweise bei der Erstellung eines neuen Kernels zu erklären,
würde den Rahmen dieses Vortrags bei weitem sprengen.
- Auch wenn es auf den ersten Blick ein wenig antik aussieht, sollte
man die Vorteile des Textmodus unter Linux, der ähnlich dem alten
MS-DOS ist, nicht unterschätzen. Hier gibt es eine Vielzahl kleiner
aber leistungsstarker Utilities, mit denen man viele Aufgaben effektiv
und effizient lösen kann.
- Zwischen dem Benutzer und dem Betriebssystemkern arbeitet eine
Shell. Unter Linux stehen verschiedene Shells zur Auswahl. Für den
Neueinsteiger empfiehlt sich die Bash-Shell. Diese wird hervorragend
im Buch von Martin Wielsch beschrieben (ISBN 3-8158-1619-X).
Natürlich müssen alle installierten Programmpakete auch
konfiguriert und Einträge in entsprechende Konfigurationsdateien
vorgenommen werden. Da dies aber bei den aktuellen Distributionen
sehr gut von allein geht, soll an dieser Stelle nicht weiter darauf
eingegangen werden.
Vielmehr ist noch die Konfiguration des LILO zu erklären. Der
LILO ist der "serienmäßige" Bootmanager von Linux.
Beschäftigen wir uns zunächst mit den Grundlagen dessen,
was beim Start des Rechners passiert. Wenn der Rechner eingeschaltet
wird, ist er zunächst völlig ahnungslos. In diesem Augenblick
startet automatisch das BIOS (Basic Input/Output System). Es unterrichtet
den Computer darüber, welche Hardware in groben Zügen ihm zur
Verfügung steht, und wie er sich rudimentär auf dem Bildschirm
bemerkbar machen kann. Schließlich liest es auf der Festplatte ein
sehr kleines Programm und startet es. Dieses Programm liegt im Master Boot
Record (MBR). Und dieses wiederum startet ein Programm im Bootsektor der
Partition, der im MBR gespeichert ist. Bei einem Bootmanager ist es nun
so, dass man auswählen kann, von welcher Partition gestartet
wird. Also entweder von der Partition mit Linux, mit OS/2, oder... Die
Funktionsweise wurde hier vereinfacht dargestellt, es geht nur ums
Prinzip. Der LILO ist ein textbasierter Bootmanager, d. h. er arbeitet im
Textmodus und man muss per Tastatur eingeben, welches der Betriebssysteme
er starten soll. Diese müssen vorher abgespeichert werden. Mit
Hilfe des LILO ist es auch möglich, ein Linux-System mit mehreren
Kerneln zu betreiben. Diejenigen, die Erfahrung mit Windows NT haben,
kennen bereits einen Bootmanager: Bevor das eigentliche NT geladen wird,
fragt der Bootmanager, welches Konfigurationsprofil verwendet werden soll.
Als ein zusätzliches Profil kann man diesem Bootmanager auch Linux
unterschieben.
Linux ist ein multiuserfähiges Betriebssystem. D. h. es
können mehrere Benutzer damit arbeiten, für die man
verschiedene Rechte definieren kann, damit sie einen geschützten
Bereich haben und die geschützte Sphäre anderer User nicht
beeinflussen können. Der Systemadministrator hat den Benutzernamen
root. Er hat grundsätzlich alle Rechte, kann Rechte
vergeben und hat Einblick in die Daten aller Benutzer. Damit auf Grund
der umfangreichen Möglichkeiten, die er hat, keine unbeabsichtigten
Veränderungen vorgenommen werden, sollte man für sich selbst
einen weiteren Benutzeraccount anlegen.
Wenn bereits Daten auf der Festplatte vorhanden sind, sollte man auf
jeden Fall ein Backup zumindest der wichtigsten Dateien machen, da bei
jeder Installation etwas unbeabsichtigt gelöscht werden kann. In den
allermeisten Fällen geschieht dies durch zu schnellen Druck auf die
Return-Taste. Es ist mit Sicherheit auch kein schlechter Gedanke, sich
vor der Installation in einem Handbuch den gesamten Installationsvorgang
durchzulesen. Und wenn man dann noch weiß, wie man seine Festplatte
organisieren möchte, sollte dem Linux-Vergnügen nichts mehr
im Wege stehen.
Gerade, wenn man daran geht, Linux erstmalig zu installieren, sollte
man sich eine Distribution mit "allem drum und dran" besorgen. Diese
sind zum einen vollständig in der Hinsicht, dass sie mit allen
Programmen ausgeliefert werden, die man im Heimbereich braucht. Sie
verfügen auch über Installationsprogramme, die die Installation
zu einem Kinderspiel machen. Auch ein gutes Handbuch erleichtert den
Einstieg. Schließlich wird häufig auch während der ersten
Zeit nach dem Erwerb Support per Telefon, E-Mail oder Fax angeboten,
der, wenn es denn wirklich zu einem Problem kommen sollte, fachkundige,
qualifizierte Hilfestellung bietet.